Chronik 2024

 

Geförderte Projekte

Über sinkende Preise können wir im Jahr 2024 nicht klagen, leider, dafür aber einige Erfolge verbuchen: So haben wir 2024 den Bestand es Bankhauses Kroch (“U9/09 AG für Haus- und Grundbesitz [vorm. Bankhaus
Kroch]") im Umfang von 18 lfm. verzeichnet. Die Kroch-Restitution mit 26 Einzelgesellschaften entwickelte sich zum zweitgrößten der Bundesrepublik nach der Rückerstattung des Wertheim-Vermögens. Überdies wurden
2024 weitere Teil der Berliner Handwerksrolle für die Online-Recherche bereitgestellt.. Hier können die Eintragungen (Karteikarten) zu 123.000 Berliner Handwerksbetrieben und Handwerkern recherchiert werden. Weitere knapp 17.000 Handwerker in Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) sind ebenfalls in den Startlöchern, um 2025 online gehen zu können. Ebenfalls im nächsten Jahr steht die Bearbeitung der zweiten Hälfte der Handwerksrolle Berlin (West) mit weiteren knapp 50.000 Karteikarten an.

 

Bankhaus Kroch

Das Bankhaus Kroch jr. wurde 1877 in Leipzig von Martin Samuel Kroch, der aus einer jüdischen Gelehrten-Familie stammt, gegründet. Seit 1922 gab es auch eine Niederlassung in Berlin. 1965 wurde der Sitz endgültig dorthin verlegt. Kroch begann zunächst mit einem Getreidehandel, bevor er ins Bankgeschäft und schließlich in den Immobilienhandel einstieg. Sein Sohn Hans trat 1920 als Bankier ins Familienunternehmen ein. Bald wandelte er das Bankhaus zu einer Kommanditgesellschaft auf Aktien, deren persönlich haftender Gesell-schafter er wurde. Später wurde sie in die AG für Haus- und Grundbesitz umfirmiert. Hans Kroch setzte auf Expansion und gründete zahlreiche Tochterunternehmen durch Neugründung oder Übernahme, sowohl in Leipzig und Umgebung, als auch in Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main. Zum Familienbesitz gehörten neben dem Bankhaus Kroch u. a. die Communalbank für Sachsen, Lager- und Kühlhäuser, Grundstücksverwaltungsgesellschaften, eine Spedition, ein Sägewerk, eine Papierfabrik, die Auskunftei Schimmelpfeng sowie der Titania-Palast in Berlin. Es entstanden neue Gebäude, wie z. B. ein Geschäftshaus (“Industrie-Palast”), das sogenannte Kroch-Hochhaus in Leipzig, das seinerzeit durch seine Höhe architektonisch neue Maßstäbe setzte, oder die Wohnhaussiedlung Leipzig-Gohlis, die unter den Aspekten des sozialen Wohnungsbaus errichtet wurde. Die Geschäfte florierten – bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten. Während der NS-Zeit wurde das einst bedeutende jüdische Bankhaus enteignet. 

Die Besitztümer, die sich nach 1945 auf den Gebieten der Sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, befanden, blieben auch weiterhin enteignet. Die Bank wurde von der Industrie- und Handelsbank übernommen. Nach dem Mauerfall strebte die Familie Kroch Anfang der 1990er Jahre die Restitution ihrer umfangreichen Vermögenswerte an, die sich größtenteils in Leipzig und Berlin, befanden. Da bis 1945 Leipzig Sitz des Bankhauses Kroch, des Mutterunternehmens aller Kroch-Gesellschaften, war, lag auch dort der Schwerpunkt für die Restitutionsanträge beim Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen. Außerdem wurden beim Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen in Berlin Anträge gestellt, da sich auch hier umfangreicher Grundbesitz befand. Der Restitutionsfall der Familie Kroch entwickelte sich zum zweitgrößten der Bundesrepublik nach der Rückerstattung des Wertheim-Vermögens. Der Umfang des Archiv-Bestandes beträgt 629 Verzeichnungseinheiten (198 Archivkartons) und umfasst den Zeitraum 1870-2020. Darin befinden sich überwiegend Unterlagen im Zusammenhang mit der Restitution: u.a. Schriftwechsel von Hans Kroch, weiterer Familienmitglieder und deren Erben, der Jewish Claims Conference, sowie Rechtsanwälten, die umfangreiche Recherchen zum ehemaligen Familienbesitz durchführten. Aber auch weiterer Schriftwechsel, Grundrisse und Lagepläne, Wertpapiere, Zeitungsartikel, Gesetzestexte, Geschäftsberichte und Fotos. Die Akten bestehen zum Teil aus Fotokopien von Alt-Akten, die für die Restitution zusammengetragen wurden.