Chronik 2023

Archivarbeit
Wir haben Archivprojekte zu Industriebeständen im Heimatverein Teltow abgeschlossen sowie mit dem Ziegeleipark Mildenberg an der Online-Vermittlung seiner Geschichte mitgearbeitet. Insbesondere haben uns 2023 die Bearbeitungen des Archivs der Berliner Börse und von großen Teilen der Berliner Handwerksrolle beschäftigt. Die Ergebnisse können nach dem Jahreswechsel im Online-Findbuch recherchiert werden. Die Bearbeitung der Handwerksrolle Berlin (West) folgt im nächsten Jahr. Bis zum Jahresende nutzbar gemacht wurden zahlreiche Bestände und Sammlungen, darunter Nachlieferungen zum Archiv Circus Busch Berlin, die Zeitungsausschnittsammlung des Deutschen Wirtschaftsinstituts über Berliner Unternehmen (1948–1971), die Bauunterlagen der Braunkohle-Benzin AG (BRABAG) in Schwarzheide, die Unterlagen der Stralauer Hauptverwaltung der Engelhardt Brauerei AG (1930–1985) sowie der Feldschlösschen-Brauerei Nachf. Kurt Pettinger KG und dem Oeserwerk (Ernst Oeser & Söhne KG).
Pläne der Braunkohle-Benzin AG (BRABAG) bei Museum digital
Die Braunkohle-Benzin AG (kurz: Brabag, auch BRABAG) war eine 1934 als „Pflichtgemeinschaft der deutschen Braunkohlenwirtschaft“ gegründete deutsche Aktiengesellschaft mit Sitz in Berlin am Schinkelplatz 1–2. Unter Verwendung von Braunkohle stellte das Unternehmen bis 1945 in Hydrierwerken an den Standorten Böhlen, Magdeburg, Schwarzheide und Zeitz synthetische Kraftstoffe sowie Schmieröle her. Im Juli 1945 wurden die Anlagen von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland beschlagnahmt und später zu Volkseigenen Betrieben der DDR umgewandelt. Der VEB Synthesewerk Schwarzheide wurde nach der Wende von der BASF übernommen und als BASF Schwarzheide GmbH weitergeführt. Diese übergab im Dezember 2022 100 Bauzeichnungen des BRABAG-Werkes aus den 1930er Jahren an das BBWA, darunter Bauzeichnungen des Architekten Werner Issel.Diese wurden bei Museum digital online gestellt.
Digitalisierung von Schriftgut für das Heimatmuseum Teltow
Die Arbeiten an fast 20 Laufmetern Wirtschaftsschriftgut aus dem Heimatmuseum Teltow konnten im Jahr 2023 im BBWA abgeschlossen werden. Dazu gehörten die Bewertung, Umbettung und Verzeichnung und Digitalisierung und Verzeichnung eines Teils der Fotobestände. Außerdem wurden die umfangreichen Sammlungen beispielsweise zum VEB Geräte- und Reglerwerk Teltow, zum VEB Werk für Bauelemente der Nachrichtentechnik „Carl von Ossietzky” oder dessen Vorgänger, dem Dralowid-Werk Teltow, mittels der erstellten Datenbank und der dort eingebundenen Digitalisate noch besser nutzbar.
Industriespaziergänge 2023
Geführte Touren und Hörspaziergänge mit Audioguide durch die Industriekultur am Berliner Stadtrand gehörten auch 2023 wieder zu den Projekten des BBWA, die gemeinsam mit dem Museum Reinickendorf das kulturelle Angebot im Bezirk Reinickendorf bereicherten. Die Tourenpläne enthielten sehenswerte Orte, die an die wechselvolle Wirtschafts- und Industriegeschichte des Bezirks erinnern. Mit neun bereits geplanten Industriespaziergängen wurde dieses Projekt 2023 fortgesetzt. Auch industriehistorische Radtouren, die der ADFC Reinickendorf in Kooperation mit dem Wirtschaftsarchiv durchführte, wurden weiterhin angeboten.
Als öffentliche Veranstaltung unter dem Dach des Bildungsportals NS Zwangsarbeit wurde am 26. Juli 2023 vom Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv (BBWA) ein Industriespaziergang zur Rüstungsindustrie und Zwangsarbeit durchgeführt. Der Geschäftsführer des BBWA führte die Teilnehmer der sechs Kilometer langen Tour auf einen Rundgang durch den Bezirk Reinickendorf. Drei Stunden lang wurde der Bezirk zum Lernort der Wirtschafts- und Industriegeschichte, der untrennbar mit dem Namen Borsig verbunden ist. Keine andere Industrieansiedlung im späteren Bezirk Reinickendorf dürfte die Stadtentwicklung hier so nachhaltig beeinflusst haben wie der Umzug der Lokomotivenbauanstalt von A. Borsig nach Tegel. Die Havel als Verkehrsweg förderte auch die Ansiedlung weiterer Schwerindustrie sowie die Errichtung des einstmals größten Gaswerkes Europas. Der Spaziergang startet zeitlich in den Gründungszusammenhängen der Tegeler Industrie, um dann an den Produktionsstätten von Alkett und Maget (Altmärkische Kettenwerke und Maschinen- und Gerätebau Tegel) – Tochterunternehmen von Rheinmetall-Borsig – in die spezielle Rüstungsgeschichte ab 1938 vorzustoßen. Teil der Kriegswirtschaft war der Einsatz von Zwangsarbeit: 30.000 Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Ostarbeiterinnen wurden 1944 in Reinickendorf eingesetzt, 1.500 von ihnen im Lager „Krumpuhler Weg“ untergebracht. Die Geschichte dieses Zwangsarbeiterlagers ist nahezu lückenlos dokumentiert und stellt damit berlinweit eine Besonderheit dar. Der Spaziergang endete im begehbaren Denkmalort und stellte die Zusammenhänge zwischen Industrie und Zwangsarbeit, zwischen Kriegszeit und Gedenken her.
