Chronik 2021

Archiv und Bibliothek gehen online
2021 ist das BBWA in der digitalen Welt nicht nur richtig angekommen, es wird bereits als die wichtige Stelle wahrgenommen, die wirtschaftshistorische Quellen bewahrt und zugänglich macht. Bestände und Sammlungen aus Archiv und Bibliothek werden mit steigender Tendenz von Archivnutzern und Interessierten aufgesucht, die nach ihren digitalen Recherchen einen Termin im BBWA wahrnehmen. Seit Dezember 2021 bietet das BBWA auf der Rechercheplattform Findbuch.net die Möglichkeit, online die Bestände und Sammlungen des Wirtschaftsarchivs nach Suchbegriffen zu durchforsten. Auf die Plattform hochgeladen wurden alle bereits in der Archivsoftware AUGIAS erschlossenen Bestände und Sammlungen.
Verzeichnungsarbeiten – Bestände
U 6/13 Berliner Eisen- und Stahl-GmbH: Als die BEOS AG 2019 einen Generalunternehmer beauftragte, das Gebäude auf dem Grundstück am Friedrich-Krause-Ufer 16-21 rückzubauen, das ursprünglich der Thyssen-
Tochter Berliner Eisen und Stahl GmbH gehörte, wurde ein Tresorraum entdeckt. Darin befanden sich Jahresberichte, Korrespondenzen, Fotos und Personalunterlagen aus den Jahren 1900 bis 1995 der Firma Berliner Eisen und Stahl GmbH sowie zahlreiche Grundrisse des Grundstücks mit Entwürfen zum Neubau von Lagerhallen oder Erweiterung von Lagerflächen für die verschiedensten Eisen-, Stahl- und Edelmetall-Produkte. Weitere Unterlagen befanden sich bereits in einem großen Sack mit Bauschutt. Unterdessen ist der Inhalt von 46 Umzugskartons, in denen das Archivgut dann das Wirtschaftsarchiv erreichte, gesichert, bewertet und das für archivwürdig befundene Schriftgut sowie die Fotos übernommen. Im November des Berichtsjahres wurden die Verzeichnungsarbeiten am Bestand der Berliner Eisen- und Stahl GmbH abgeschlossen. Der Schwerpunkte des nun erschlossenen Bestandes umfasst die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. In diesem Zeitraum wurde der Metallurgie-Handel in den Neuen Bundesländern ausgebaut, wie aus dem Schriftwechsel der Geschäftsführung der Thyssen Eisen und Stahl GmbH hervorgeht. Das Absatzgebiet umschloss neben Berlin und Brandenburg insbesondere Pommern, Mecklenburg, West- und Ostpreußen sowie Schlesien und Sachsen. In den dortigen größeren Städten wurden Niederlassungen mit umfangreichen Lagern errichtet. Damit gehörte die Firma zu den bedeutendsten Eisengroßhandlungen Mittel- und Ostdeutschlands. Beliefert wurden neben dem nachgeordneten Handel und Handwerksbetrieben vor allem die Großverbraucher der weiterverarbeitenden Industrie, insbesondere der Elektro- und Maschinenindustrie, die Bauwirtschaft sowie namhafte öffentlich-rechtliche Unternehmen des Verkehrs und der Versorgung.
U3 /31 Auergesellschaft: Carl Auer erfand 1885 den Glühstrumpf, der die Gasbeleuchtung revolutionierte. 1892 wurde die Deutsche Gasglühlicht AG (DEGEA, später Auergesellschaft) in Berlin gegründet, deren Auerlicht den Produkten von anderen Anbietern an Helligkeit bei niedrigeren Betriebskosten überlegen war. Es wurde deshalb für die Berliner Straßenbeleuchtung verwendet und setzte bereits 1909 mit einem Neubau an der Oberbaumbrücke städtebauliche Akzente. 1933/34 “arisiert” und dem DEGUSSA-Konzern eingegliedert, produzierte sie u.a. Atemschutz- und Gasmasken. Ein Werk in Oranienburg arbeitete mit “seltenen Erden” und radioaktivem Material, was erst in den 1990er Jahren durch Medienberichte bekannt wurde. 1958 wurde die Auergesellschaft von der US-amerikanischen Mine Safety Appliances, Philadelphia, Pa., aufgekauft und seitdem mehrfach umstrukturiert. Sie ist vor allem im Bereich Arbeitsschutz tätig und stellt Schutzkleidung, z.B. gegen Chemikalien, weiterhin Luftfilter, Helme und Feuerwehrausrüstungen her. Der Bestand wurde im Berichtsjahr verzeichnet und enthält ungefähr 8.000 Fotografien (Papierabzüge, Negative und Dias) aus dem Zeitraum 1934 bis 2013 zu Firmengebäude und die Fabrikationshallen, Produkten sowie von Messeauftritten, Kongressen und Veranstaltungen für Kunden, Mitarbeiter bei der Arbeit, Firmenfeiern und Betriebsausflüge. Der Bestand umfasst 510 Verzeichnungseinheiten und ist seit Ende des Jahres 2021 für die Nutzung bereitgestellt.
Archivberatung für den Ziegeleipark Mildenberg
Das Industrie-Museum „Ziegeleipark Mildenberg“ besitzt eine historische Überlieferung von Akten, Fotos und Plänen, in denen alle Entwicklungsetappen der Ziegelei bis Ende 1991 dokumentiert sind. Zur Sicherung und Nutzbarmachung dieser historischen Unterlagen, die größtenteils aus der Zeit des VEB stammen, aber auch Vorläufer und Nachfolger abbilden, übernahm das BBWA im Auftrag des Ziegeleiparks Mildenberg den Aufbau des Archivs. Seit Anfang 2021 steht das Archivgut des Ziegeleiparks mit Quellen von bleibendem Wert für die wirtschafts- und regionalhistorische Bildung sowie Forschung zur Verfügung. BBWA-Archivarin Tania Estler-Ziegler und Mitarbeiter des BBWA haben 70 Laufmeter Archivgut mit 3.200 Verzeichnungseinheiten bearbeitet. Die Karteikarten für den Planbestand des Ziegelleiparks wurden im Berichtsjahr ergänzend in Exceltabellen übertragen. Mit der Nutzbarmachung der historischen Quellen zu mehr als 130 Jahren Brandenburger Industriegeschichte hat der Ziegeleipark in Mildenberg einen weiteren Schritt zur Erhaltung von regionalem Kulturgut unternommen.
